Pressemitteilungen 2010
14.08.2010Solms: Bildung ist der Schlüssel
Kolumne für die „Wetzlarer Neue Zeitung“
Wenn in der nächsten Woche die hessischen Sommerferien zu Ende gehen, werden tausende ABC-Schützen ihre Schulranzen schultern und sich auf den Weg zur Schule machen. Vom ersten Tag an werden ihre Lehrer sie bilden und ausbilden: In der Grundschule werden die Kinder Lesen, Schreiben und Rechnen lernen. Auf den weiterführenden Schulen wird ihnen breit gefächerter Unterricht angeboten – an 30 hessischen Schulen sogar „Chinesisch“ als Fremdsprache.
Bildung ist ein Bürgerrecht, auf das alle Schüler ein Anrecht haben. Es bringt freilich die Verpflichtung mit sich, sein Bestes zu geben. Während sich die Kinder und Jugendlichen in der Schule anstrengen, um möglichst viel und gut zu lernen, müssen Schulen und Lehrer jedes einzelne Kind und seine individuellen Fähigkeiten nach besten Kräften fördern.
Gute Bildung und eine fundierte Ausbildung stehen am Anfang eines erfüllten Lebens. Sie sind der Schlüssel für gesellschaftlichen Wohlstand und sozialen Aufstieg. Mangelnde Bildung dagegen ist in unserer hochentwickelten Gesellschaft ein erhebliches Armutsrisiko. Wenn in jedem Jahr etwa 75.000 Jugendliche die Schule ohne Abschluss verlassen, ist das inakzeptabel. Wenn in Berlin Hauptschüler auf die Frage, was sie beruflich machen möchten, antworten: „Ich mach‘ Hartz IV“, dann ist das höchst bedenklich. Wenn jeder fünfte Schüler in Deutschland Schwierigkeiten beim Lesen hat, muss sich etwas ändern.
Schüler, die ohne Schulabschluss oder ohne Ausbildung ins Leben gehen, sind später nicht nur vom Wohlstand unserer Gesellschaft, sondern auch vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen. Mangelnde Bildung und Ausbildung darf nicht zu Arbeitslosigkeit, von dort in die Langzeitarbeitslosigkeit und schließlich in die Abhängigkeit von Sozialleistungen führen. Wir können es uns nicht leisten, dass Menschen darauf verzichten, eigenverantwortlich für ihr Leben geradezustehen.
Auch deshalb darf Schule kein Experimentierfeld für Ideologen sein. Kontinuität, Verlässlichkeit und eine solide Finanzierung sind wichtig. Sie stärken das Vertrauen in unser Schulsystem. Hessen macht vor, wie es geht: Hier werden zum neuen Schuljahr 650 zusätzliche Lehrerstellen geschaffen. Die Ganztagsangebote werden ausgeweitet – und die Betreuungsangebote ebenfalls. Damit kein Schüler in Hessen die Schule ohne Schulabschluss verlässt, können sich Haupt- und Realschulen nun zu Mittelstufenschulen zusammenschließen. Insgesamt verfügen die Schulen über größeren Gestaltungsspielraum.
In ihrem Elternbrief für das neue Schuljahr hat die hessische Kultusministerin Dorothea Henzler Eltern ermuntert, sich in die Gestaltung von Schule einzumischen. Im offenen Dialog lässt sich die Qualität der Schulen weiter verbessern. Das ist ein Vorbild für alle Bundesländer.
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