Liebigschule x 2 = jede Menge Information
(19. September 2010) In der Haushaltswoche des Deutschen Bundestages debattieren die Bundestagsabgeordneten über den Finanzbedarf der Bundesministerien oder salopp gesagt über die Frage: Welcher Minister braucht wieviel Geld wofür. Dass Regierung und Opposition hier unterschiedlicher Meinung sind und das entsprechend vortragen, versteht sich von selbst.

Genau diese Haushaltswoche haben sich Schüler der Liebigschule aus Gießen ausgesucht, um nach Berlin zu kommen - und an einer Plenarsitzung teilzunehmen. Von der Besuchertribüne aus konnten die Neuntklässler die Debattenbeiträge verfolgen. Anschließend trafen sie Sarah Bäumchen, wissenschaftliche Mitarbeiterin von Hermann Otto Solms, die ihre Fragen beantwortete. Zwei aktuelle politische Themenbereiche standen ganz oben auf der Fragenliste: Steuersenkungen und Staatsverschuldung sowie die Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke und die Sicherheit der Kernenergie. Auch für Informationen rund um das Regierungsviertel interessierten sich die Jugendlichen. Und so berichtete Sarah Bäumchen, dass etwa 6000 Personen im Regierungsviertel beschäftigt sind und wies die Schüler auf das Tunnelsystem unter dem Reichstag hin, das alle Gebäude im Regierungsviertel miteinander verbindet. Es ermöglicht den Beschäftigten und den Abgeordneten, von einem Gebäude zum anderen zu gelangen, ohne einen Fuß nach draußen zu setzen.

Einen Tag später um 16 Uhr war es wieder Sarah Bäumchen, die eine weitere Schülergruppe der "Lio'", wie sie in Gießen liebevoll genannt wird, in Empfang nahm. Bäumchen referierte erst einmal über die Arbeitswoche von Hermann Otto Solms in Berlin und berichtete über den Bundestag im Allgemeinen. Viele der Schüler waren zwar nicht zum ersten Mal in Berlin, dafür aber zum ersten Mal im Paul-Löbe-Haus und genossen sichtlich den Blick hinter die Kulissen des parlamentarischen Alltags. Im Gespräch mit Herrn Solms stellten die Schüler besonders intensiv Fragen zur verkürzten Gymnasialzeit (G8). Einer der Schüler wollte ganz konkret wissen: „Wie stehen Sie zu G8, Herr Solms?“. Solms’ Antwort: „In anderen Länden ist das achtjährige Gymnasium Standard – und damit auch angemessen. Wenn Deutschland international wettbewerbsfähig sein will, darf die schulische Ausbildung nicht länger dauern als anderswo.“ Um 16.55 Uhr kam die Diskussion zu einem abrupten Ende. Fünf Minuten später hatte Solms die Debatte im Deutschen Bundestag zu leiten. Buchstäblich in letzter Minute verließ er als Wahlkreisabgeordneter die Diskussion mit den Liebigschülern – um Punkt 17 Uhr als Bundestagsvizepräsident seinen Platz im Reichstag einzunehmen.
