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Donnerstag, 23. Februar 2012
27.01.2012

Fiederungen: Solms eröffnet Ausstellung im Bundestag

(27. Januar 2012) Im Paul-Löbe-Haus stellt Gabriele von Lutzau von heute an bis zum 24. Februar ihre Skulpturen aus. Der Bundestag zeigt die Ausstellung anlässlich des Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus. Hermann Otto Solms hat die Ausstellung der Holzbildhauerin heute im Anschluss an die Gedenkstunde eröffnet. Von Lutzau formt aus vom Sturm gefällten Bäumen und Wurzeln riesige Skulpturen.

Solms sagte in seiner Begrüßung:
"Es ist eine besondere Ausstellung einer besonderen Künstlerin, zu der ich Sie begrüßen möchte.

Aus verdreht gewachsenen Bäumen, die der Sturm gefällt hat, erschafft die Holzbildhauerin Gabriele von Lutzau riesige Skulpturen. Aus Thujen oder giftiger Eibe werden „Wächterinnen“ oder Vögel, die die Künstlerin „Lebenszeichen“ nennt. Ihre „ Fiederungen“ greifen die Idee der Feder auf. Als Werkzeug dient Gabriele von Lutzau schweres Gerät, das man eher mit Zerstörung als mit bildender Kunst in Verbindung bringt: Die Rede ist von Kettensäge und Flammenwerfer. Gabriele von Lutzau setzt beides mit aller Vorsicht ein, trotzdem bleibt der künstlerische Prozess eine Gratwanderung zwischen Erschaffen und Zersägen, zwischen Färben und Verbrennen, zwischen Asche und Skulptur. In diesem Prozess wachsen Bäumen und Wurzeln Flügel, die ihnen vielleicht nicht unbedingt Leichtigkeit verschaffen, die auf jeden Fall aber befreiend wirken.

Leben und Überleben: Das ist Gabriele von Lutzaus Leitspruch.  Diese Botschaft passt irritierend gut zum heutigen Gedenktag, an dem in ganz Deutschland an die Opfer des nationalsozialistischen Terrors erinnert wird. Es ist auf den Tag genau 67 Jahre her, dass Soldaten der Roten Armee die Überlebenden des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz befreit haben.

Leben und Überleben: Davon hat auch Marcel Reich-Ranicki heute Morgen in der Gedenkstunde im Deutschen Bundestag gesprochen. Der Literaturkritiker überlebte das Warschauer Ghetto und erlebte während der NS-Herrschaft grauenvolle Jahre der Flucht und Vertreibung. Seine Eltern wurden in den Gaskammern von Treblinka ermordet.

Leben und Überleben: Die Buche, aus der Gabriele von Lutzau einen der ausgestellten Flügel gesägt hat, stand in eben jener Blut-Allee, die zum Konzentrationslager Buchenwald führte. Dort waren bis 1945 eine viertel Million Menschen inhaftiert. Die Zahl der Ermordeten wird auf etwa 56.000 geschätzt, darunter 11.000 Juden. Die Buche war also Zeugin des Grauens, das den Entrechteten, Verfolgten und Gequälten zugefügt wurde.  Der Flügel jedoch, den die Künstlerin aus dem Baum geformt hat, wird durch seine Be-„Fiederung“ befreit.

Gabriele von Lutzaus Kunst ist also eine der Metamorphosen: Der gefällte, gesägte, geflämmte und damit geschundene Baum wandelt sich zum gefiederten Sinnbild der Befreiung und der Freiheit. Das ist eine Mut machende Botschaft, auf die die Skulptur nicht nur hier und heute verweist, sondern die sie im Anschluss an die Ausstellung auch nach Jerusalem tragen wird. Denn dort wird Gabriele von Lutzaus „Flügel Buchenwald“ seinen endgültigen Platz finden: Im Holocaustmuseum Yad Vashem.

Nun wünsche ich Ihnen allen ein ebenso eindringliches Erlebnis, wie ich es habe.
Vielen  Dank für Ihre Aufmerksamkeit."


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