''Es ist ein besonderes Feeling, im Bundestag zu sitzen''
Kaan Bülte hat an der Veranstaltung "Jugend und Parlament" in Berlin teilgenommen.
Kaan hat sich bereits durch seine engagierte Teilnahme am Projekt Politik im Blick empfohlen. An Politik im Blick nahmen rund 140 Schüler von sechs Giessener Schulen teil. In einem Internetforum diskutierten sie über mehrere Wochen miteinander und mit Hermann Otto Solms über aktuelle Themen, wie Klimaschutz, Integration und Bildungspolitik. Jede Schule hatte im Rahmen des Projektes einen Schulkönig gekürt, nämlich denjenigen, der sich besonders in die Diskussion eingebracht hatte. Aus den Schulkönigen ermittelte Solms per Los den Forumskönig - Kaan Bülte von der Gesamtschule Ost war der glückliche Gewinner. Der Preis: Eine Fahrt zu Jugend und Parlament nach Berlin auf Einladung des Vizepräsidenten des Bundestags, Hermann Otto Solms.
In einer seiner knapp bemessenen Pausen hatten wir die Gelegenheit, Kaan ein paar Fragen zu stellen.
Wie gefällt Dir die Veranstaltung Jugend und Parlament bisher?
Die Veranstaltung bringt mir sehr viel, jetzt kann ich mir den politischen Ablauf wesentlich besser vorstellen. Ich habe allerdings einen Vorteil dadurch, dass ich in Giessen beim Abschlussplenum des Projektes Politik im Blick mit dabei war. Dadurch, dass ich ein ähnliches Konzept schon einmal durchgespielt habe, weiss ich bereits viel über den Ablauf. Da habe ich einigen anderen Teilnehmern etwas voraus und kann ab und zu Hilfestellung leisten und erklären, welcher Schritt als nächster kommt. Aber es ist natürlich ein ganz anderes Feeling im Plenarsaal des Deutschen Bundestags zu sitzen. Außerdem gefällt mir an der Veranstaltung, dass ich sehr viele neue Leute aus ganz Deutschland kennenlerne.
Wie haben sich die Teilnehmer in ihre Rollen hineinversetzt?
Wie war es sich in eine andere Rolle hineinzuversetzen und welche Themen interessieren Dich persönlich am stärksten?
Es ist interessant, sich in unterschiedliche politische Ansichten hineinzuversetzen, die nicht unbedingt die eigenen sind. Dadurch lernt man andere Perspektiven kennen. Thematisch interessieren mich besonders wirtschaftliche Themen.
Bist Du durch das Projekt politisch geworden oder hat sich durch das Projekt und die Fahrt nach Berlin dein politisches Interesse bestätigt?
Letzteres. Ich war schon immer sehr interessiert an Politik und bin als Vorstand im Stadtschülerrat bereits schulpolitisch aktiv. Im Moment überlege ich, ob ich nächstes Jahr zu den Wahlen des Schülersprechers meiner Schule antreten soll. Darüber hinaus kann ich mir gut vorstellen, mich in einer Partei oder der Jugendorganisation einer Partei zu engagieren. Es gibt zwei Parteien, bei denen ich glaube, dass ich mich mit ihren Ideen halbwegs identifizieren kann: Die Julis oder die Jusos.
Wie beurteilst Du die Projekte Politik im Blick und Parlament im Blick? jetzt abschließend auch nach Deiner Erfahrung mit Jugend und Parlament?
Alle drei, wenn auch in unterschiedlichen Ausmaßen, sind absolut notwendig, um Jugendlichen die Politik nahe zu bringen und schmackhaft zu machen. Es sollte noch viel mehr solcher Projekte und Initiativen geben. Ich glaube, dass sich das Klischee "Jugendliche interessieren sich nicht für Politik" nur deshalb oft bestätigt, weil es keine oder nur wenige Aktionen gibt, die ihnen eine gute Plattform bieten, politisch tätig zu werden - und nicht, weil Jugendliche sich grundsätzlich nicht mit Politik beschäftigen. Auch erfahren Jugendliche, dass man nicht alles glauben soll, was einem vermittelt wird, sei es jetzt von den Medien oder auch den Politikern selbst. Abschließend hierzu kann ich nur sagen, dass die ersten beiden Projekte zwar klein waren, sie mir aber unheimlich viel gebracht haben. Natürlich ist Jugend und Parlament ein ganz anderes Kaliber, aber das heißt keinesfalls, dass es nicht genug Fördermöglichkeiten in anderer Art und Weise geben könnte.
Hast Du noch Geschwister? Sprecht Ihr in der Familie viel über Politik?
Ich habe eine ältere und eine jüngere Schwester. Meine ältere Schwester - sie ist ein Jahr älter als ich - ist nicht so Politik-interessiert wie ich, die kleine ist ja erst 10. Auch bei meinen Eltern ist Politik kein großes Thema - da bin ich in der Familie eher die Ausnahme. Mein Vater beschäftigt sich meist mit spezifischen Themen, wie die Rolle der Türkei und der Frage nach dem EU-Beitritt der Türkei. Meine Eltern kommen beide aus der Türkei, sind aber schon als Kinder nach Deutschland gekommen.
Kaan, Du machst viel Musik und stehst auch bei Musical-Aufführungen auf der Bühne ? wie kam es dazu?
Ich habe vier Jahre Querflöte gespielt, bin aber mittlerweile auf Gitarre umgestiegen. In der 7. Klasse bin ich der Musical-AG unserer Schule beigetreten, da mir Singen schon immer viel Spaß gemacht hat. An einem Musical arbeiten wir etwa 1 - 1 ½ Jahre bevor wir es aufführen, da wir die Stücke selber schreiben. Neben meiner Begeisterung fürs Musical, finde ich es aber auch schön, in einer lockeren Runde mit Freunden Gitarre zu spielen und zu singen.
Weißt Du schon, welchen Berufsweg Du später einschlagen willst?
Ich mache voraussichtlich erst im Jahr 2010 Abitur, also habe ich noch etwas Zeit mich zu entscheiden. Grundsätzlich kann ich mir aber am besten vorstellen, in die wirtschaftliche Richtung zu gehen.
Könntest Du Dir vorstellen im wirklichen Leben eines Tages Abgeordneter des Deutschen Bundestags zu sein?
Ich müsste die Pro- und Contra-Argumente miteinander abwägen. Einerseits ist es wichtig, die eigene Meinung kund zu tun und zu präsentieren, vor allem wenn es hierbei gleichzeitig um das Wohl des Volkes geht. Ich würde viele Menschen kennenlernen und viele Reisen machen. Dabei sähe ich vieles aus einer Perspektive, die andere Menschen gar nicht erst vor Augen bekommen. Was jedoch dagegen spricht, ist der Stress und der tagtägliche Leistungsdruck.
Nein, ich denke nicht, dass ich später mal ein MdB (Mitglied des Bundestags) sein könnte, weil dieser Job, wie auch allgemein die Politik ? vor allem in der Opposition ?, ziemlich undankbar ist.
Die Fragen stellte Luise von Schubert.
