Dr. Friedrich von Fürstenberg??? Das ist doch Benny Jung!


Benny reist ab Die auf der ersten Seite beschriebene Szene ereignete sich bei der Abschlusssitzung des diesjährigen Planspiels „Jugend und Parlament“. Der Deutsche Bundestag bietet es einmal im Jahr für etwa 300 Jugendliche zwischen 16 und 20 Jahren aus ganz Deutschland an - in den Gebäuden des Deutschen Bundestages. Für vier Tage tauschen die Jugendlichen ihre Identität gegen eine Rolle ein – die eines Bundestagsabgeordneten. Vier Tage lang hat auch Marc Benjamin Jung (17) aus Lützellinden seinen Schüleralltag gegen den Alltag eines Bundestagsabgeordneten eingetauscht. Als „Forumskönig“ des Schulprojektes „Politik im Blick“ reiste er zum Planspiel „Jugend und Parlament“ nach Berlin.
Benny konnte sich dabei recht schnell zurechtfinden: „Ich wusste ungefähr, wie das Planspiel ablaufen würde. Ich habe ja Vorkenntnisse durch das Projekt „Politik im Blick“. Dadurch wusste ich auch, was man von uns in den einzelnen Sitzungen erwarten, wie die Grundstruktur mit Ausschuss-, Fraktions- und anderen Sitzungen sein würde.“ „Politik im Blick“ ist ein Projekt, das von Bundestagsvizepräsident Solms in Zusammenarbeit mit Gießener Schulen vor zwei Jahren ins Leben gerufen wurde. Es besteht aus einer Diskussionsplattform im Internet und einem großen parlamentarischen Rollenspiel in Gießen. Das Projekt will Jugendliche an Politik heranführen und die Funktionsweise der parlamentarischen Demokratie erklären.
Genau darum geht es auch bei „Jugend und Parlament“. Bei dem Planspiel im Berliner Reichstag gehören die Jugendlichen einer von fünf fiktiven Fraktionen an; Benny war Mitglied der „Arbeiterpartei Deutschland“, kurz APD. „Ich fand es sehr gut, dass die Einteilung bei „Politik im Blick“ und „Jugend und Parlament“ nicht nach persönlichen politischen Vorlieben ging. So mussten viele von uns Positionen vertreten, zu denen sie selbst eine ganz andere Meinung haben. Manche haben das richtig gut gemacht, andere haben sich nicht so darauf eingelassen. Aber alle waren sehr motiviert und voll dabei. Jeder hat sich eingebracht, kannte sich in seinem Thema aus.“ Benny war in seiner Fraktion für die Einführung von Elementen direkter Demokratie eingeteilt. Er habe sich jedoch auch für die anderen Themen interessiert. So habe ihm und den Kollegen seiner Landesgruppe der Vorschlag seiner Fraktion zur Rentenreform nicht gefallen. Kurzerhand setzten er und seine Landesgruppenkollegen sich zusammen und erarbeiteten einen neuen Vorschlag - bis nachts um zwölf.
Nicht nur die Einteilung in die Fraktionen bringt Benjamin dazu, Vergleiche zum Projekt „Politik im Blick“ zu ziehen: „Anders als bei „Politik im Blick“ konnten wir hier in Berlin volle vier Tage lang persönlich miteinander arbeiten. So kann man sich tiefer in ein Thema einarbeiten und verliert die Scheu, vor einer sehr großen Gruppe von Menschen zu sprechen. Ansonsten ist auch „Politik im Blick“ echt geeignet, Politik zu erklären und Jugendliche für Politik zu interessieren. Mir haben beide Planspiele sehr viel Spaß gemacht!“
In seiner freien Zeit ist Benjamin übrigens nicht politisch aktiv, engagiert sich jedoch in der Schülervertretung, gibt Nachhilfe und hat gerade mit Schulkameraden ein Musical auf die Beine gestellt. Ob wohl zu seinen vielfältigen Interessen doch noch irgendwann ein Bundestagsmandat hinzukommt? „Erst einmal möchte ich nach dem Abi ein freiwilliges soziales Jahr machen und danach Mathematik, Physik und Philosophie studieren. Aber vielleicht probiere ich es irgendwann einmal als Parteiloser…wer weiß. Es war schon besonderes Gefühl in dem Plenarsaal zu sitzen, den sonst nur Bundestagsabgeordnete betreten dürfen. Und als Herr Solms dann die Sitzung geleitet hat, wurde ich fast ein bisschen nostalgisch, weil er das bei „Politik im Blick“ auch getan hat. Allerdings saß er in Gießen auf einem kleinen Podest, hier hat er sogar einen separaten Eingang benutzt.“
Bevor Benjamin in den Zug nach Gießen stieg, musste eine letzte Frage erlaubt sein: Warum hat er als Namen Dr. Friedrich von Fürstenberg gewählt? Benjamin muss spontan lachen: „Diesen Namen hatte ich schon bei „Politik im Blick“. Er gefällt mir gut und ich wurde damals Vorsitzender des Innenausschusses und habe eine Rede gehalten. Da habe ich mir überlegt, einen kleinen Planspiel-Kult zu entwickeln. Ich war auch der einzige mit „Dr.“ und „von“!
