Dr. Hermann Otto Solms, FDP - Lesenswertes

Beitrag für FamilienZeit

Sich für eine Familie mit Kindern zu entscheiden, ist zunächst einmal eine sehr persönliche Angelegenheit. Niemand entscheidet sich doch für Kinder, weil er das Fundament der gesetzlichen Rentenversicherung stärken möchte. Welches junge Paar fühlt sich wohl von staatlichen Warnungen der anstehenden demografischen Katastrophe zum Kinderkriegen animiert. Ich halte nichts von staatlicher „Bevölkerungspolitik“. Ganz im Gegenteil: Der Staat sollte sich weniger in das Leben des Einzelnen einmischen und ihm stattdessen den Freiraum lassen, seine Vorstellungen vom Leben zu verwirklichen. Dazu gehört auch, dass der Staat sich nicht als „Ersatzfamilie“ aufspielt – vollständige soziale Absicherung inbegriffen. Solidarität ist eine individuelle Angelegenheit. Sie wird zunächst in der Familie erlebt und erfahren. Ich mache mir ernsthaft sorgen über eine Gesellschaft, der diese Erfahrung zunehmend verloren geht.

Was aber tun, wenn der Satz von Konrad Adenauer „Kinder kriegen die Leute von alleine“ einfach nicht mehr stimmen will? Zunächst einmal glaube ich nicht, dass Deutschland zu wenig Geld für Familien ausgibt. Schon jetzt betragen die Leistungen der öffentlichen Hand für Familien fast 100 Milliarden Euro pro Jahr. Aber in einem Land, in dem seit vielen Jahren niedrige Wachstumsraten zu verzeichnen sind und das Problem Arbeitslosigkeit mehr oder weniger nah jeden Haushalt erreicht, braucht es eine gehörige Portion Mut, sich für so etwas zukunftsgerichtetes und optimistisches wie Kinder zu entscheiden. Mehr Wachstum in unserem Land und eine positive Grundstimmung werden auch wieder zu mehr Familie führen.

Aber natürlich kann und muss die Politik in Deutschland die Rahmenbedingungen für Familien verbessern. Beispielsweise überlange Schul-, Ausbildungs- und Studienzeiten vermeiden, damit insbesondere für junge Frauen mehr Zeit bleibt, Beruf, Karriere und Familienplanung aufeinander abzustimmen. Sehr wichtig ist auch der bedarfsgerechte Ausbau von Kinderbetreuungsmöglichkeiten in Deutschland. Nach meiner Überzeugung muss das nicht allein staatlich organisiert werden. Im Gegenteil, ein Nebeneinander von ausreichend kommunalen, kirchlichen und privaten Kinderbetreuungsmöglichkeiten würde den Familien erst die Freiheit geben, ihr Familienleben tatsächlich entsprechend ihrer individuellen Bedürfnisse zu gestalten. Der Staat jedenfalls hat nicht darüber zu entscheiden, was richtig oder falsch ist. Ob Kinder von einem Elternteil zu Hause betreut werden oder ob und wie lange sie in Kindergärten gehen – das entscheiden die Eltern. Nur die Freiheit zu dieser Entscheidung – die muss der Staat gewährleisten.


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